Schwindel - Das Karussell im Kopf

Plötzlich dreht sich alles, fast jeder hatte schon einmal dieses Gefühl. Oft stecken harmlose Gleichgewichtsstörungen dahinter. Doch manche Schwindelattacken haben tiefere Ursachen. Kehren die Symptome immer wieder, sollte man dringend einen Arzt aufsuchen. Die Gründe können harmlos sein, müssen aber auf jeden Fall abgeklärt werden, da auch ernstzunehmende behandlungsbedürftige Krankheiten dafür verantwortlich sein können. Verspannungen der Rücken-, Nacken- und Schultermuskulatur sind manchmal die Ursache des Schwindels, aber auch psychische Faktoren müs- sen bei der Diagnosefindung berücksichtigt werden. Ob Symptome nur vorübergehend (episodisch) oder andauernd (chronisch) auftre- ten, kann bereits ein Wegweiser zur Diagnose sein.

Schwindel ist keine eigenständige Krankheit sondern ein Syndrom.

Bei akut einsetzenden Beschwerden können neurologische Störungen zugrunde liegen, aber auch Medikamente oder Alkohol er- zeugen mitunter Schwindel. Auch psychische Erkrankungen, Stress- und Panikattacken oder eine Migräne spielen oft eine Rolle. Fehlbildungen des Gehirns, Nervenentzündungen, Tumore können Gründe für Schwindel sein. Begleitsymptome sind Übelkeit und Erbrechen, Kopfschmerzen, Angst, Fallneigung, Unsicherheit beim Stehen und Gehen, Ohrgeräusche (Tinnitus) oder auch Hörprobleme sowie Scheinbewegungen der Umgebung.

Diagnosefindung

Zunächst sollte der Hausarzt aufgesucht werden, da er am besten mit dem Krank- heitsbild des Patienten vertraut ist. Für die weitere Diagnostik ist es dann aller- dings ratsam einen Facharzt hinzuzuziehen: Orthopäde, Neurologe, HNO-Arzt, Psychologe, Psychiater. Untersuchungen mit der Frenzelbrille, gegebenenfalls MRT und CT mit Kontrastmit- tel als ergänzende Diagnosestellung. Behandlungsmöglichkeiten bei Schwindel Bei dem Auftreten wiederholter Schwindel- episoden ist der Gang zum Facharzt schon deshalb unumgänglich, um gefährliche Erkrankungen wie Schlaganfall oder Tumoren auszuschließen. Dies ist besonders wichtig, wenn der Schwindel von heftigen Kopfschmerzen begleitet wird oder über mehrere Tage anhält. Mit Medikamenten können Häufigkeit und Ausprägung der Schwindelattacken günstig beeinflusst, Übelkeit und Erbrechen gelindert werden. Sie bessern jedoch nur das Symptom, nicht die Krankheit.

Ein wichtiges Element der Behandlung bei »Verspannungs-Schwindel« stellen physiotherapeutische Maßnahmen dar. Regelmäßige krankengymnastische Übungen sollten dann auch zu Hause weitergeführt werden um einer sogenannten »Schonhaltung« ent- gegen zu wirken. Bei psychisch bedingtem Schwindel haben sich psychotherapeutische Maßnahmen (z.B. Verhaltenstherapie) als erfolgreich erwiesen. In schweren Fällen können diese durch eine medikamentöse Behandlung unterstützt werden.
Manchmal lässt sich eine Operation nicht vermeiden: In besonders schwierigen Fällen, beispielsweise bei Patienten mit einem Kleinhirnbrückenwinkeltumor ist eine Operation unumgänglich. Es handelt sich hierbei zwar um einen »gutartigen« (benignen) Tumor, da er aber durch sein Wachstum Nerven und lebenswichtige Areale im Gehirn verdrängt, muss operiert werden.

Was kann ich selbst tun?

Das Gleichgewichtssystem im Gehirn ist lernfähig. Gleichgewichtsübungen und Aktivität sind deshalb der Schlüssel für mehr Bewegungssicherheit. Wer sich regelmäßig bewegt, sich ausgewogen ernährt und Stress abbaut, schafft wichtige Voraussetzungen für ein gesundes Gleichgewicht.

 

Dr. Robert Langer,
Facharzt für Innere Medizin, Altdorf